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Frauen in IT-Berufen - eine erschreckende Bilanz
Die Zahlen sprechen eine erschreckend deutliche Sprache. Bescheidene vier Prozent beträgt der Frauenanteil im Informatikbereich auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Bei der Zürcher Internetagentur FutureCom ist man nur schon stolz, weil es kürzlich gelungen ist, eine Frau aus Taiwan zu rekrutieren, die das zwanzigköpfige Team der ausschliesslich männlichen Informatiker und Programmierer ergänzen wird. Auch bei The Fantastic Corporation in Zug liegen die Abteilungen IT und Media Solutions nahezu vollständig in Männerhand, währenddem es vereinzelte Frauen geschafft haben, in den Bereichen Marketing, Kommunikation und Personal Fuss zu fassen. Im Vergleich dazu ist innerhalb der Europäischen Union immerhin jede vierte Stelle in der IT-Branche von einer Frau besetzt. Die Schweiz hat also einen erheblichen Nachholbedarf, der um so dringender ist, als dem Land gemäss unterschiedlicher Erhebungen zwischen 10'000 und 25'000 Informatikfachleute fehlen. Doch ein Blick auf die hiesigen Ausbildungsstätten dämpft die Hoffnungen auf eine baldige und vor allem nennenswerte Zunahme junger IT-Spezialistinnen schnell. An der ETH Zürich hat der Frauenanteil unter den neueintretenden Informatikstudierenden von 1981 bis 1999 nur um magere 2,4 Prozent zugenommen und beträgt heute 9 Prozent. Dass all diese 22 Studentinnen ihre Ausbildung abschliessen werden, ist zu bezweifeln. Gemäss Statistik wechselt nämlich ein erheblicher Teil die Fachrichtung oder bricht das Studium irgendwann ab. An der Universität Zürich befanden sich 1999 immerhin schon 14 Prozent Frauen unter den Studierenden der Wirtschaftsinformatik, einem Fach, das weniger technisch ausgerichtet ist als die Informatik an der ETH. Ernüchternd präsentiert sich auch die Geschlechterverteilung an den Fachhochschulen. An der Zürcher Hochschule Winterthur, ehemals Technikum, belegt keine einzige Frau das Fach Informationstechnologie. Innerhalb der Bereiche Elektrotechnik beziehungsweise Kommunikation und Informatik betragen die Frauenanteile zwei beziehungsweise fünf Prozent und "stagnieren" nach Aussage der Gleichstellungsbeauftragten Ursula Bolli-Schaffner "seit Jahren". Im Technikum Rapperswil nimmt zum erstenmal in der Geschichte der Schule eine Frau die dreijährige Ausbildung zum Informatik-Ingenieur FH in Angriff. Im kommenden Herbst erwartet man zwei bis drei weitere Studienanfängerinnen. Dafür wird mit Stolz auf eine Informatik-Dozentin verwiesen, die an der Seite von acht männlichen Kollegen lehrt. Unter den jungen Leuten, die eine vierjährige Informatik-Berufslehre absolvieren, beträgt der Anteil der Frauen zur Zeit rund 12 Prozent. Wie lässt sich das weibliche Abseitsstehen in einer der zukunftsträchtigsten Branchen der Arbeitwelt erklären? Viele Frauen, aber auch Männer haben ein falsches Berufsbild. Sie übersehen, dass auch Informatiker in Teams arbeiten und kommunikative Fähigkeiten brauchen. In Ihren Augen reduziert sich ein IT-Spezialist auf einen Computerfreak, der nächtelang einsam vor seinem PC sitzt und über technischen Problemen brütet. Vorstellungen dieser Art, aber auch der Mangel an weiblichen Vorbildern tragen dazu bei, dass Berufe wie Informatiker, Programmierer oder Software-Entwickler eindeutig als Männerberufe wahrgenommen werden. Diese Haltung wird nicht zuletzt auch von vielen Berufsberatern weitergegeben, die es nach Aussagen von Fachleuten immer noch versäumen, Mädchen bei der Wahl neuer, ungewohnter Tätigkeitsfelder zu unterstützen. Margit Osterloh, Professorin der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich, ist zudem überzeugt, dass sich hiesige Frauen durchaus rational gegen den Beruf der Informatikerin entscheiden, weil sie wissen, dass er einem so rapiden Wandel unterworfen ist, dass er keinerlei Mutterschaftspausen erlaubt. Frauen, sagen Szenenkenner, hätten ausserdem wenig Lust "auf die Workaholic-Kultur, die in der gesamten IT-Branche herrscht". Um den Frauen dennoch den Zugang zur Informatik zu erleichtern und ihren Anteil auf dem Arbeitsmarkt bis im Jahr 2003 auf mindestens 20 Prozent zu steigern, sind zahlreiche Initiativen ergriffen worden. 1999 boten erstmals die Lehrwerkstätten der Stadt Bern ein geschlechtergetrenntes Basislehrjahr für künftige Informatikerinnen an, das von 16 Frauen absolviert wurde. An der kantonalen Berufsschule Lugano-Trevano begann im letzten Herbst eine reine Mädchenklasse mit der vierjährigen Informatiklehre. Für das nächste Semester haben sich bereits wieder 24 Interessentinnen angemeldet. Offenbar erleichtert die Möglichkeit der geschlechtergetrennten Ausbildung zahlreichen jungen Frauen den Einstieg in die IT-Branche. An verschiedenen Gymnasien versucht man der Technikangst vieler Mädchen mit Informatik-Schnuppertagen zu Leibe zu rücken. Die Fachhochschulen sind vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie ausdrücklich zu verstärkter Gleichstellungsarbeit angehalten. Diejenigen Frauen, die heute schon einen Beruf im Bereich der neuen Technologien ausüben, haben inzwischen ihre eigene Antwort auf die erdrückende Männermehrheit gegeben: Seit 1995 tauschen sie in dem berufsorientierten Cyber-Netzwerk "Webgrrls" Erfahrungen, Know How, Geschäftsideen und Jobangebote aus. Demnächst soll auch ein Schweizer Ableger unter www.webgrrls.ch. eröffnet werden. "Frauen zeigen eine bemerkenswerte Angst vor der Technik"
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