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Wo Networking am meisten bringt


Die Zürcherin Barbara Kux (49) gilt als erfolgreichste Schweizer Managerin der Gegenwart. Das US-Magazin «Fortune» führt die Vizepräsidentin von Ford Europe auf Platz 13 in der aktuellen Rangliste der wichtigsten Wirtschaftsfrauen ausserhalb der Vereinigten Staaten.

Einen der Gründe für ihren beruflichen Aufstieg bis in die Europa-Zentrale des amerikanischen Autogiganten sieht Kux im jahrelangen, konsequent betriebenen Networking. Sie ist seit langem überzeugt, dass sich Kaderfrauen unbedingt in die bestehenden einflussreichen Männernetzwerke einreihen sollten: «Geholfen haben mir insbesondere meine Verbindungen zur Business School Insead in Fontainebleau, an der ich 1984 den MBA gemacht habe, zu meinem ehemaligen Arbeitgeber McKinsey sowie zum Weltwirtschaftsforum in Davos, wo ich zu einem «Global Leader of Tomorrow» ernannt wurde.» In den osteuropäischen Ländern, in denen sie zwischen 1989 und 1999 für ABB und Nestlé tätig war, hat sich die Schweizerin stets in die lokalen Managernetzwerke integriert: «Meine enge Einbindung in den polnischen Industrieverband zum Beispiel hat wesentlich zum erfolgreichen Auf- und Ausbau der Geschäfte von Nestlé in Polen beigetragen.»

Mit dieser Auffassung stand Kux bis vor kurzem ziemlich einsam da. Denn das Gros der hiesigen Unternehmerinnen und Kaderfrauen bevorzugt nach wie vor die Mitgliedschaft in rein weiblichen Organisationen wie Nefu (Netzwerk für Einfrauunternehmerinnen), Frauen.unternehmen oder BPW (Swiss Federation of Business & Professional Women). Dort finden die Frauen eine gewisse Nestwärme; sie pflegen den Gedankenaustausch in trauter Runde, helfen einander mit Ratschlägen, laden Sorgen ab und organisieren Fortbildungskurse - überwiegend geleitet von Frauen. Dass die wirtschaftliche Bedeutung dieser Clubs marginal ist, schien lange Zeit niemanden zu stören.

Mittlerweile allerdings sind deutliche Anzeichen für einen Sinneswandel auszumachen. Die Erkenntnis scheint sich allmählich durchzusetzen, dass einflussreiche Positionen ohne systematisch betriebene Beziehungsarbeit zu einflussreichen Männerzirkeln nicht zu haben sind. Immer mehr Frauen begreifen, was Alice Stümcke, Inhaberin der Werbeagentur Favo Communications und ehemalige Chefin der Papierfabrik Tela, auf einen einfachen Nenner bringt: «Die Wirtschaft ist nicht weiblich - wer als Unternehmerin oder Managerin trotzdem nur in Frauengruppen verkehrt, spielt auf einem Nebenschauplatz und limitiert sich selbst.»

Mit anderen Worten: Die Karrierechancen von Frauen sind grösser, wenn sie es schaffen, von den grösstenteils männlichen Machtträgern wahrgenommen und respektiert zu werden. Dazu braucht es nebst traditionellen Tugenden wie Sachkompetenz, Fleiss, Stehvermögen und Durchschlagskraft vor allem das Selbstbewusstsein und den Mut, in Männerhochburgen zu verkehren. Denn die Entscheidungsträger, die Frauen Türen öffnen und sie an der richtigen Stelle weiterempfehlen können, sitzen grösstenteils nicht in Frauennetzwerken, sondern - zum Beispiel - in der Swiss-American Chamber of Commerce.

Männer verfügen über eine lange Tradition, sich mit ihresgleichen zusammenzuschliessen. Sie sind begnadete Vereinsmeier, lieben Zunftanlässe, Rotarier-Lunches und Abende im Kreis der Offiziersgesellschaft. Frei von Skrupeln nutzen sie diese engen Verflechtungen, um einander Posten und Mandate zuzuschieben. Fredy Isler, Executive Search bei den Unternehmensberatern von Spencer Stewart, ist ein Paradebeispiel für einen weit verzweigten Netzwerker. Er war jahrelang als FDP-Politiker aktiv, dazu Hauptmann im Militär, ist Mitglied des Lions Club sowie einer Studentenverbindung und profitiert in besonderem Mass von seinen Kontakten, die er in seiner langjährigen Karriere als national bekannter Handballspieler geknüpft hat. «Ohne meine Handballbeziehungen», gesteht Isler, «hätte ich beruflich weniger Erfolg.»

Frauen hingegen haben oft ein ambivalentes Verhältnis zum Networking. Sie treten zwar bereitwillig ihrem Branchenverband, einer Partei oder Gewerkschaft bei. Doch wenn es dann darum geht, die Beziehungen zu nutzen, befällt sie eine merkwürdige Angst, sich von jemandem abhängig zu machen und sich eines Tages mit einer Dienstleistung revanchieren zu müssen, die sie vielleicht nicht verantworten können. Frauen, so scheint es, wollen ihre Ziele ausschliesslich aus eigener Kraft erreichen. Vielen widerstrebt die Vorstellung zutiefst, auch dank einer Empfehlung zu einer neuen Stelle zu kommen. Zudem mangelt es den meisten an Einsicht, wie modernes Networking funktioniert: Aktive Beziehungspflege ist ein Langzeitprojekt, das die ersten Früchte unter Umständen erst nach Jahren abwirft.

So verdankt die Journalistin Esther Girsberger, einst Chefredaktorin des «Tages-Anzeigers», ihrem inzwischen fast zwanzig Jahre zurückliegenden Dienst im Schweizer Armeestab mannigfaltige Beziehungen: «Das Militär», sagt sie unumwunden, «ist für mich das Netzwerk mit dem grössten Nutzen.» Dort habe sie zahlreiche prominente und einflussreiche Männer kennen gelernt, auf deren Unterstützung sie dank verbindender Diensterfahrungen noch heute zurückgreifen könne. Auch die Unternehmerin Alice Stümcke betont, dass ihre Mitgliedschaft in den Alumni-Organisationen ihrer einstigen Arbeitgeber Procter & Gamble beziehungsweise Boston Consulting Group für sie nach wie vor eine erspriessliche Ressource darstelle: «Dank diesen teilweise jahrzehntelangen Kontakten komme ich zu Informationen, auch vertraulicher Art, die sich mir sonst niemals erschliessen würden.»

Wie aber soll sich die junge Managerin zu Beginn ihrer Karriere vernetzen, wenn ihr die Türen zu einflussreichen Zirkeln noch nicht offen stehen? Anita Fetz, Unternehmerin und SP-Nationalrätin, rät dazu, sich zunächst Rechenschaft über die eigenen Bedürfnisse und Ziele abzulegen und danach die Organisationsform zu finden, die individuell am besten passt. Wobei frau sich dann möglicherweise auch für eine individuelle Form der Beziehungspflege entscheidet. So praktiziert es beispielsweise die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz, heute Mitglied des Managements von Centerpulse. «Ich war nie in einer Partei, einem Verband oder in einem Club», sagt sie, «bin aber gleichwohl Teil des informellen Netzwerks der Medien und kenne sehr viele Leute, mit denen mich ein ausgewogenes Geben und Nehmen verbindet.» Einem solchen Kontakt hatte sie beispielsweise ihre einstige Verpflichtung als Marketing- und Kommunikationsverantwortliche bei Jelmoli zu verdanken. Ohne diesen «Freundschaftsdienst», spekuliert sie, wäre die Anstellung womöglich nicht zu Stande gekommen.

Manche Frauen favorisieren kleine, überschaubare Gruppierungen, in denen sie ihre Kolleginnen und Kollegen im Rahmen von Arbeitssitzungen besser kennen lernen und damit auch zu beurteilen vermögen, wann sie auf wen mit einem Anliegen zugehen können. Daher schätzt Girsberger überblickbare Aufsichtskommissionen, Stiftungsräte und Vorstände. So lernte sie etwa im Rahmen der Arbeit im Verwaltungsrat der jüdischen Wochenzeitung «Tachles» auch den Sulzer-Investor René Braginsky besser kennen.

Die Zürcher Unternehmensberaterin Franziska Müller Tiberini wiederum tanzt auf verschiedenen Hochzeiten. Zum einen hat sie Frauen.unternehmen mitbegründet und damit ein Sammelbecken für Kleinstunternehmerinnen geschaffen, die sich mit dem als verstaubt wahrgenommenen Gewerbeverband nie anfreunden konnten. Seit mehr als zwanzig Jahren ist sie bei der BPW (Business & Professional Women) dabei. Dazu präsidierte sie die Zürcher Gesellschaft zu Fraumünster, kurz Frauenzunft, in der sie in erster Linie ihr Interesse an der weiblichen Geschichte Zürichs befriedigt. Als ehemalige Firmenchefin trat sie sodann der Young Presidents' Organisation (YPO) bei, in der sie als Frau zwar eine Exotin ist, sich als Mitglied des Vorstands aber gleichwohl in Szene zu setzen und beruflich wertvolle Kontakte zu knüpfen verstand.

Deutlich weniger Präsenz markiert Franziska Müller Tiberini im Harvard Club, jenem elitären Zirkel mehrheitlich männlicher Harvard-Absolventen, die sich regelmässig im Zürcher «Zunfthaus zum Rüden» zum Lunch treffen oder den Vorträgen hochkarätiger Wirtschaftsführer lauschen. Müller Tiberini, die ihre Managementausbildung in Harvard erworben hat, konstatiert ungerührt: «In diesem Club werde ich zwar nett behandelt, finde mit meinen beruflichen Interessen und Prioritäten jedoch selten einen gemeinsamen Nenner.»

Wo lohnt es sich sonst noch, Mitglied zu werden? Erfahrene Beobachterinnen und Beobachter nennen etwa die Vereinigung der Ehemaligen der Universität St. Gallen, HSG Alumni, der viele einflussreiche Wirtschaftsleute angehören. Der Frauenanteil beträgt dort mittlerweile 17 Prozent - bei steigender Tendenz auf Grund des kontinuierlich wachsenden Anteils von Studentinnen. Im Vorstand des HSG Alumni sind heute vier weibliche Ehemalige aktiv; die Geschäftsführung liegt in Frauenhand. Generell gelten Absolventen- und Ehemaligenvereine als potente Organisationen, deren Mitglieder einander gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen. Besonders bekannt für die Loyalität und Treue unter seinen Mitgliedern ist der Alumni McKinsey, den Barbara Kux als «grosse Familie» bezeichnet.

Die Zürcher FDP-Parlamentarierin und Juristin Vreni Spoerry verdankt vor allem ihrer politischen Tätigkeit, aber auch ihrer Mitarbeit in hochkarätigen Verwaltungsräten wie jenen von Nestlé, Credit Suisse, Swissair und der «Zürich»-Versicherung zahlreiche Kontakte, die ihr in ihrer langjährigen Berufs- und Politkarriere wertvolle Dienste erwiesen haben.

Der Ruf von Auslaufmodellen hingegen hängt inzwischen den einst hoch angesehenen Serviceclubs wie Rotary und Kiwanis an. Obschon hier seit knapp zehn Jahren auch Frauen Zugang haben, nehmen nur wenige dieses Angebot wahr. Die Aura eines Altherrenclubs mit starrem wöchentlichem Präsenzzwang bei bröckelnder Bedeutung wirkt nun einmal nicht besonders anziehend auf die moderne Managerin.

Zukunft könnte indessen ein Modell haben, das beim Zürcher Grasshopper-Club vor kurzem verwirklicht worden ist. Weil sich die Geldgeber Rainer E. Gut und Fritz Gerber aus dem Fussballgeschäft zurückziehen wollen, haben sie den Griffith-Club lanciert. Das ist ein Businessclub, der in erster Linie Geld für den Profifussball beschaffen soll, und dessen Exklusivität und gesellschaftliche Bedeutung in einem potenziell glamourösen Umfeld anziehend für Topshots männlichen und weiblichen Geschlechts wirken soll.

Als Mitglieder des Griffith-Club sind ausschliesslich «junge, erfolgreiche Persönlichkeiten im Alter zwischen 30 und 45 Jahren» zugelassen - Frauen und Männer also, die in Wirtschaft und Politik eine wichtige Rolle spielen oder noch spielen wollen. Vermieden werden soll eine Überalterung des Zirkels und damit sein Absinken in die Bedeutungslosigkeit. Heute zählt der Griffith-Club sechzig Mitglieder. Neun davon sind Frauen, darunter Doris Aebi, Headhunterin bei Bjørn Johansson Associates, und die Unternehmerin Alice Stümcke. Selbst Beatrice Tschanz hat für einmal ihren Widerwillen gegen institutionelle Netzwerke überwunden und sich für das Patronatskomitee gewinnen lassen: «Es hat mich gereizt, in einem Verein dabei zu sein, in dem Frauen von Anfang an eine Rolle spielen.»

Wie hilfreich solche Businessclubs sein können, zeigte sich schon bei der Gründungsversammlung, wo sich Tschanz ausserordentlich gut mit ihrem Tischnachbarn, dem ehemaligen englischen Fussballstar und -weltmeister Sir Bobby Charlton verstand. Dieser, erfuhr sie, möchte gerne seine Biografie schreiben lassen. Nun will sich Tschanz entweder selbst an die Arbeit machen oder zumindest ihre Kontakte nutzen, um Sir Bobby eine geeignete Autorin oder einen Autor zu verschaffen.

In gemischtgeschlechtlichen Netzwerken sind Frauen in der Minderheit: Im Netzwerk-Sonderfall Armee stellen sie kein halbes Prozent, aber auch im businessorientierten Griffith-Club erreichen sie nur gerade 15 Prozent.


6-mal mit und 6-mal ohne Männer

Networken in gemischter Gesellschaft oder unter Frauen? Eine Auswahl aus dem breiten Netzwerk-Spektrum.

Gemischte Netzwerke

Griffith-Club: Adresse Grasshopper-Griffith-Club, Geschäftsstelle Fussball-Sektion, Hardturmstrasse 321, 8005 Zürich, Tel. 01 447 46 46, Kontakt Dany Bahar, Tel. 01 752 51 51, dbaharfkg.com, Aufnahmebedingungen: 30 bis 40 Jahre alt (Austritt mit 45), beruflich erfolgreiche Personen, Antrag auf Aufnahme durch ein Vereinsmitglied, einstimmige Empfehlung der Aufnahmekommission, Entscheid durch den Vorstand, Mitglieder 60.

Kiwanis: Distrikt Schweiz/ Liechtenstein, Kontaktadresse Kiwanis, Kari Mühlebach, Kanalstrasse 15, 8152 Glattbrugg, Tel. 01 874 10 40, sekretariatkiwanis.ch, www.kiwanis.ch, Aufnahmebedingungen: Führende Position oder berufliche Selbstständigkeit (z. B. Anwältin/ Anwalt), eine halbjährige Probezeit als Kandidatin/ Kandidat, regelmässige Teilnahme am Clubleben, Mitglieder 6450 (151 reine Männerclubs, 4 reine Frauenclubs und 28 gemischte Clubs).

Rotary: Adresse Im Zentrum 11, 8604 Volketswil, Tel. 01 908 40 87, margit.sommerdaso.ch; www.rotary.ch, Kontakt Erich Gerber, Tel. 01 322 59 86, erich.gerber-zh bluewin.ch, Aufnahmebedingungen: Verantwortliche Stellung im Beruf, Bereitschaft, Aufgaben im Club zu übernehmen, und Präsenzpflicht, Empfehlung durch einen Götti oder eine Gotte aus dem Club, Mitglieder 10 800 (121 Männerclubs und 78 gemischte Clubs).

Insead Alumni Association Switzerland: Kontaktadresse James Maughan, Präsident der Sektion Zürich, Tel. 01 234 34 85, james.maughanubs.com, Aufnahmebedingungen: Absolventin/Absolvent der Business School Insead in Fontainebleau, Mitglieder 700.

HSG Alumni: Adresse Dufourstrasse 50, 9000 St. Gallen, Tel. 071 224 21 11, alumniunisg.ch, Kontakt Franziska Rohner, Geschäftsführerin, Tel. 071 224 30 10, franziska.rohnerunisg.ch, Aufnahmebedingungen: Abschluss an der HSG (inkl. MBA und Doktorate), Mitglieder 13 500.

Schweizer Armee: Kontaktadresse für Frauen Dienststelle Frauen in der Armee, Teresina Fornasier, 3003 Bern, Tel. 031 324 32 73, Aufnahmebedingungen: Diensttauglichkeit. Für Männer besteht allgemeine Dienstpflicht, Frauen treten freiwillig bei, Besonderes: Obwohl nicht zum Zweck des Networkings geschaffen, ist die Schweizer Armee, bedingt durch das Milizsystem, de facto die wohl grösste Plattform für die zivile, sprich geschäftliche Beziehungspflege.

Frauen-Netzwerke

Gesellschaft zu Fraumünster: Bekannt als Frauenzunft, nicht Mitglied des Zentralkomitees der Zünfte Zürichs (ZZZ), Kontaktadresse Gesellschaft zu Fraumünster, Susann Lilly Pflüger, Hottingerstrasse 28, 8032 Zürich, infofrau muenstergesellschaft.ch, www.frauenzunft.ch, Aufnahmebedingungen: Frauen ab 18 Jahren, Schweizer Bürgerrecht, Wohnsitz in Zürich und enge familiäre oder berufliche Verbundenheit mit Zürich, ein Jahr als Novizin, dann Aufnahmegesuch, Mitglieder 40.

BPW: Swiss Federation of Business & Professional Women, Kontaktadresse BPW Switzerland, Marianne Grunder, Baumackerstrasse 42, 8050 Zürich, Tel. 01 948 23 20, sekretariatbpw.ch, www.bpw.ch, Aufnahmebedingungen: Frauen mit einer verantwortungsvollen beruflichen oder politischen Tätigkeit, Absolvieren einer Schnupperzeit, Aufnahmegesuch und Wahl durch die Mitglieder des jeweiligen Clubs, Anzahl Mitglieder 2412 (verteilt auf 35 Clubs).

Nefu: Das Netzwerk der Einfrauunternehmerinnen, Kontaktadresse Barbara Hirt, Intuition Management, Bruggächerstrasse 8, 8617 Mönchaltorf, Tel. 01 948 25 05, bhirt intuition-management.ch; www.nefu.ch, Aufnahmebedingungen: Tätigkeit als Alleinunternehmerin oder interessiert an selbstständiger Tätigkeit, Aufnahme mit Name, Adresse, Firma und Angebot in einem Netzwerkerinnen-Verzeichnis, Mitglieder 1400.

Frauen.unternehmen: Kontaktadresse: Silvia Villars, Villars & Villars AG, Chreienweg 9, 8126 Zumikon, Tel. 01 991 89 91, s.villarsvtv.ch; www. frauen-unternehmen.ch, Aufnahmebedingungen: Tätigkeit als Unternehmerin oder selbstständige Berufsfrau, Mitglieder 420.

Foka: Forum Kaufmännischer Berufsfrauen, Kontaktadresse Daniela Busslinger, Breitenbühlweg 6/2, 5727 Oberkulm, Tel. 062 776 30 53; www.foka.ch, Profil Ein Netzwerk für kaufmännisch tätige Frauen und Unternehmerinnen, Mitglieder 350 in 5 Sektionen.

EWMD: European Women's Management Development, Kontaktadresse: Christine Raemy-Dirks, Communications Consulting, Freigutstrasse 4, 8002 Zürich; www.ewmd.org, Profil Internationales Netzwerk von Frauen in Führungspositionen, angestellt oder selbstständig, Mitglieder Weltweit ca. 700, in der Schweiz 65.


Wie viele Fäden braucht die Netzwerkerin?

Die Swiss Federation of Business & Professional Women (BPW) ist in weiten Kreisen relativ unbekannt. Woran liegt das, Monique Siegel?

Monique R. Siegel: Vielleicht daran, dass die sich verändernden Bedürfnisse der Berufsfrauen zu wenig rasch aufgenommen und umgesetzt wurden. Inzwischen hat sich die BPW jedoch enorm verändert, auch verjüngt und professionalisiert. Derzeit wird BPW International von einer Schweizerin geleitet, die genauso wie die schweizerische und die Zürcher Präsidentin eine ausgewiesene Berufs- und Geschäftsfrau ist und dem Netzwerk den nötigen Auftrieb gibt.

Wie stehen Sie, Doris Aebi, zur BPW?

Doris Aebi: Ich bin Interessentin, noch nicht offizielles Mitglied, und befinde mich damit in einem Aufnahmeverfahren. Mein Eindruck ist, dass dieses Verfahren nach traditionellem Muster verläuft und meinen Bedürfnissen im Grunde genommen nicht entspricht. Als Interessentin binich angehalten, regelmässig an den gemeinsamen Mittagessen oder dem so genannten Meisen-Abend zu erscheinen.

Siegel: Nein, nein. Es besteht kein Teilnahmezwang.

Aebi: So erlebe ich das aber, und es erinnert mich im weitesten Sinn an einen Bewährungstest. Es braucht Patinnen, welche die Mitgliedschaft beantragen, und es gilt, ein Einführungsreferat zu halten - die Parallelen zu den althergebrachten Serviceclubs der Männer sind gross. Das finde ich schade, denn ich weiss auch von vielen Kolleginnen, dass sie sich gerne mit anderen Frauen austauschen, sich aber nicht so stark an einen einzigen Club binden wollen. Sie stellen sich ihr Netzwerk à la carte zusammen, besuchen Anlässe verschiedenster Art, je nachdem, was ihren Bedürfnissen entspricht.

Was hat Ihnen, Monique Siegel, Ihre langjährige Mitgliedschaft bei der BPW gebracht?

Siegel: Das ist die falsche Frage. Ich habe mich stattdessen immer gefragt: Welchen Beitrag kann ich leisten? Ist mein Knowhow in irgendeiner Art und Weise nützlich? Mich fasziniert die Grundidee: Die BPW wurde 1930 von einer amerikanischen Rechtsanwältin gegründet, einer Visionärin, die schon damals erkannte, dass ein solches Netzwerk weltweit verankert sein muss, um seine Wirkung zu entfalten. Heute ist die BPW in 105 Ländern vertreten, und es ist für mich ein traumhaftes Erlebnis, an einem internationalen Kongress Frauen aus sechzig, siebzig Nationen zu treffen. In einem solchen Moment des Eingebundenseins in einen internationalen Kreis von gleich Gesinnten spüre ich: Jawohl, das Engagement lohnt sich.

Doris Aebi, warum liessen Sie sich auf die Liste der Interessentinnen bei der BPW setzen?

Aebi: Ich wollte einmal schnuppern. Bis zu einem gewissen Grad schätze ich es auch, gewisse Themen ausschliesslich mit Frauen zu besprechen. Nachdem ich nun einige Anlässe besucht habe, bin ich mir nicht sicher, ob ein reines Frauennetzwerk wie die BPW der einzige Ort ist, um die Probleme zu lösen, mit denen wir Frauen von heute konfrontiert sind. Anders als 1930, als es noch darum ging, für das Frauenstimmrecht zu kämpfen oder Frauen den Zugang zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen zu ermöglichen, geht es heute um eine Optimierung des Erreichten.

Was heisst das konkret?

Aebi: Ein Hauptproblem liegt heute in der Frage der Vereinbarkeit von Karriere und Kindern. Nun können wir dieses Thema stundenlang in einem Frauennetzwerk besprechen, können jammern und klagen und unisono feststellen, wie schlecht es uns geht. Nur ändern werden wir auf diesem Weg nichts. Und deshalb halte ich es für sinnvoll, für solche Themen auch die Mitarbeit in gemischtgeschlechtlichen Netzwerken oder politischen Parteien zu pflegen.

Siegel: Ich kann mich nicht erinnern, dass in der BPW über Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesprochen worden ist, es sei denn, man hatte ein Thema wie «Dual Career Couples» auf dem Programm. Dieses Netzwerk, Frau Aebi, hat Beraterstatusbei den Vereinten Nationen und damit eine wichtige Lobbyfunktion. Wenn zum Beispiel eine Frau in Nigeria gesteinigt werden soll, weil sie ein Kind von einem Mann bekommt, der sie vergewaltigt hat, setzt sich die BPW im Sinn einer Lobby für sie ein. Wir haben jetzt sogar in Kabul einen Club gegründet, dem bereits 21 qualifizierte Frauen angehören. Das sind für mich die wirklich bewegenden Momente, die mich an die BPW binden.

Aebi: Auf der internationalen Ebene macht ein solches Engagement absolut Sinn. Da bin ich mit Ihnen einverstanden. Aber viele Frauen beschäftigen im Berufsalltag ganz konkrete Fragen, und da wäre ein lokal wirksames Netzwerk gefragt. Ausserdem ist sich meine Generation gewohnt, gemeinsam mit den Männern im Arbeitsprozess Lösungen zu suchen.

Siegel: Sie haben Recht. Deswegen hörte ich auch mit dem Management-Symposium für Frauen auf. Was 1985 nötig war, schien mir 1997 nicht mehr zeitgemäss.

In den Achtzigerjahren waren Frauen in Politik und Wirtschaft noch Pionierinnen.

Aebi: Meine Generation steht an einem anderen Punkt als diese Pionierinnen. Entsprechend unterschiedlich sind die Vorstellungen von nützlichem und sinnvollem Networking. Zudem zeichnet sich die heutige Gesellschaft durch eine vermehrte Individualisierung aus, was auch Einfluss auf die Art des Networkings hat. Knowhow- und businessorientierte Netzwerke laufen den rein beziehungsorientierten Know-who-Netzwerken den Rang ab. Viele junge Frauen, aber auch Männer, versuchen, auf möglichst viele Mitgliederlisten zu kommen, schauen sich an, was hier und dort geboten wird, und entscheiden ad hoc, was sie interessiert. Das ist massgeschneidertes, zielgruppen- und bedürfnisorientiertes Networking, Networking à la carte eben - und reine Frauennetzwerke wie die BPW oder die Wirtschaftsfrauen haben dabei auch ihren Platz.

Was tragen Sie zum Clubleben in ihren Netzwerken bei?

Aebi: Ich halte gern einmal einen Vortrag, lobbyiere aktiv für die Anliegen des Netzwerks oder unterstütze andere Mitglieder. Aber im Unterschied zu früheren Generationen, die sich stark mit ihrem Club identifizierten, fühle ich mich keinem Netzwerk so verbunden, dass es für mich schon fast ein Familienersatz wird.

Siegel: Ich hingegen lege durchaus Wert auf eine gewisse Kontinuität und möchte, bei einem Jahresbeitrag von 350 Franken, auch wissen, welche Frauen mich bei der BPW im Vorstand vertreten. Von daher wäre das à-la-carte-mässige Picken in verschiedenen Netzwerken nicht meine Sache. Abgesehen davon haben sich für mich über die Jahre wunderschöne Freundschaften im Rahmen der BPW ergeben. Das ist ein zusätzlicher persönlicher Gewinn.

Die BPW repräsentiert für Sie also auch ein Stück Nestwärme.

Siegel: Absolut. Wobei ich klar festhalten möchte, dass die BPW kein Kaffeekränzchen ist, auch wenn ich manchmal ein Gefühl von Geborgenheit und Nestwärme empfinde. In aller Regel reden wir über berufs- und arbeitsspezifische Themen.

Doris Aebi, Sie sind seit kurzem Mitglied des Griffith-Club, der von der Fussballsektion der Zürcher Grasshoppers lanciert wurde und sich gezielt an junge High Potentials richtet, also Frauen und Männer auf dem Weg an die berufliche Spitze. Was reizt Sie an diesem Netzwerk?

Aebi: Hier treffe ich auf eine Population von jüngeren Leuten, Männern und Frauen, die meinen beruflichen Alltag widerspiegelt. Wir sind in ähnlichen Funktionen, haben vergleichbare Probleme und können uns austauschen.

Siegel: Und wie sehen die Aufnahmebedingungen für den Griffith-Club aus?

Aebi: Mitglieder des Vereins sind junge, in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich erfolgreiche Persönlichkeiten im Alter zwischen 30 und 45 Jahren. Die Eintrittsgebühr beträgt tausend Franken, und der jährliche Mitgliederbeitrag ist altersmässig abgestuft. Mindestens zwei Drittel dieser Mittel werden zu Gunsten von GC verwendet, das heisst, wir begünstigen den Fussballsport.

Siegel: ... und die BPW begünstigt Frauen in Kabul und Nigeria. So haben alle ihre eigenen Ziele.

Wieso gelingt es überhaupt, Frauen für einen Club zu gewinnen, der in so starkem Mass dem Fussball verpflichtet ist?

Aebi: Mit einem Frauenanteil von 15 Prozent stehen wir tatsächlich gut da im Vergleich zu den meisten anderen gemischten Netzwerken. Wir Frauen kommen, weil wir eben nicht nur mit Frauenfragen, sondern mit allgemeinen wirtschaftlichen Themen konfrontiert werden. Der Griffith-Club ist stark business-related.

Siegel: Zahlt eigentlich Ihre Firma (Dr. Bjørn Johansson Associates, Executive Search; die Redaktion) die Mitgliederbeiträge? Es müsste ja auch in ihrem Interesse liegen, dass Sie auf diesem Weg die «richtigen» Leute kennen lernen und Ihren Namen in Umlauf bringen.

Aebi: Natürlich laufen gewisse Kosten übers Geschäft; wir regeln das fallweise.

Viele Frauen klagen, dass sie sich in den nach wie vor stark männlich dominierten gemischten Netzwerken nicht wohl fühlen.

Aebi: Das geht mir manchmal auch so. Aber ich sage mir dann immer: Was bringt es, wenn ich mich absondere? Ich muss mich einfach einbringen. Und so hoffe ich, dass je länger, je mehr Frauen an die gemischten Anlässe kommen und dort selbstbewusst ihre Meinung äussern.

Sind Sie, Monique Siegel, auch Mitglied in einem gemischten Netzwerk?

Siegel: Nein, aber ich war in einigen dabei, im Efficiency Club, in der British Chamber of Commerce und wie sie alle heissen. Heute fehlt mir dafür die Zeit und, ehrlich gesagt, auch die Lust, mich diesen langweiligen Übungen auszusetzen: Sorry, aber die meisten Männer dort bore me to tears, sie langweilen mich wirklich zu Tränen.

Aebi: So reden viele Frauen; sie finden die Netzwerk-Anlässe langweilig und mühsam und meiden sie dann eines Tages. Trotzdem plädiere ich dafür, dass sich Frauen dort zeigen, auch einmal frech und mutig auf einen interessanten Gesprächspartner zugehen, sich vorstellen und so Akzeptanz erlangen.

Monique R. Siegel (64) ist Innovationsberaterin, Publizistin und Buchautorin. Sie ist Mitglied beim Frauennetzwerk Business & Professional Women (BPW).

Doris Aebi (38) ist Direktorin bei Dr. Bjørn Johansson Associates, Executive Search. Sie ist Mitglied beim Griffith-Club und bei den Wirtschaftsfrauen; sie nimmt an Anlässen teil unter anderem beim Efficiency Club und der Swiss-American Chamber of Commerce. Sie ist Interessentin bei der BPW. 

Annabelle Business, Nr. 2 / 2003

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