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Porträt der Transsexuellen Jaya Wardena - ein schmerzlicher Weg zu einer neuen Identität


Warum nur, hadert Jaya Wardena, muss ausgerechnet sie mit diesen "schwappenden Fettsäcken" auf ihrem Oberkörper ausgestattet sein. Von jenem Moment an, in dem sie als Elfjährige das Wachsen ihrer Brust bemerkte, empfand sie nichts als Ekel und Abscheu gegenüber den "grauenhaften, obszönen Wucherungen", die sie niemals als Teil ihres Körpers annehmen mochte. Ihr Busen schwoll an und wurde stattliche 2,7 Kilogramm schwer, und Jaya, die damals noch eine gutschweizerische Ursula Beatrix war, hatte das Gefühl, sich in ein Monstrum zu verwandeln. Monströs gerieten ihr dann auch die Phantasien und Versuche, die sie unternahm, um sich ihrer "scheusslichen Titten" zu entledigen.

Unzählige Male sprang die Dreizehnjährige vom Dreimeterturm in der Badeanstalt, in der Hoffnung, ihre Brüste "beim Aufprall dermassen auszuleiern", dass sie "als hängende Säcke wenigstens nicht mehr für alle Welt sichtbar wären." Als der Erfolg ausblieb, schnürte sie ihren Busen mit einem Gummiband so lange ab, bis er blau anlief und sie vor Schmerzen halb ohnmächtig wurde. Sie hungerte sich bei einer Körpergrösse von 1,70 Meter auf 45 Kilogramm herunter, wünschte sich Krebszellen und phantasierte davon, sich die Brust mit einem Schnitt öffnen und deren Inhalt "wie Spiegeleier auf eine Teflonpfanne gleiten zu lassen."

Ab ihrem neunzehnten Lebensjahr pilgerte sie von Spital zu Spital, in der Schweiz, in Deutschland, Spanien, Israel, England und Pakistan und drängte auf eine Brustamputation. Vergeblich. Einmal war sie zu jung, das nächstemal nicht in der Lage, die Operationskosten von bis zu 50 000 Franken zu bezahlen.

Leiden ohne Ende. Leiden ohne Namen. Denn bis vor wenigen Jahren wusste Jaya Wardena nicht, worunter sie litt. Dumpf schlummerte in ihr die Wahrnehmung, dass sie sich eigentlich wie ein Knabe beziehungsweise Mann fühlte. Doch bis sie den ungeheuren Satz, dass ihre Seele männlich sei, aussprechen konnte, vergingen mehr als dreissig Jahre ihres Lebens. Von "Transsexualität" hatte sie nie etwas gehört; andere Menschen, die auch darunter leiden, dass ihr Körper und ihre Psyche nicht im Einklang stehen, kannte sie nicht.

Einsam und verzweifelt versuchte sie die Dämonen, die sie bisweilen zu zerreissen drohten, in Schach zu halten. Die Angst vor der Enthüllung, dass sie sich im tiefsten Inneren wie ein Mann fühlte, peinigte sie. Sie flüchtete sich in Lügen, kontrollierte peinlich genau ihr Verhalten, ihre Sprache, ihre Gesten und unterliess all jenes, von dem sie annahm, dass es den Mann in ihr hätte verraten können. Es gab Phasen in ihrem Leben, in denen sie zur Karikatur einer Frau wurde. Sie trug Miniröcke mit Rüschen, toupierte sich die Haare und schminkte sich sorgfältig. Niemand sollte auch nur ahnen, wie es wirklich in ihr aussah.

Schon als Kind war sie immer wieder in Konflikte mit ihrer Mutter geraten, die eine Frau voller Komplexe und unerfüllter Sehnsüchte nach einer grossen, kinderreichen Familie gewesen sein muss. Gnadenlos versuchte sie, Jaya zum Mädchen umzupolen. Dabei spielte das wilde, temperamentvolle Kind viel lieber Cowboy und Indianer oder Pirat und Eroberer. Zu Weihnachten wünschte es sich eine elektrische Eisenbahn, Spielzeugautos oder ein Zelt. Dessen ungeachtet schenkte ihm die Mutter "Mädchenkram." Doch Jaya hatte eine lebhafte Phantasie, und so wurde aus dem Puppenhaus eine Garage, aus der bunten Halskette ein Piratenschatz und aus dem Babywagen ein Rennauto.

Mit dem Einsetzen der Pubertät geriet das Leben der Jugendlichen vollständig aus den Fugen. Hilflos musste sie mitansehen, "wie schreckliche Sachen" mit ihrem Körper passierten. Nicht nur die wachsende Brust erschütterte sie; genauso angewidert reagierte sie auf das Einsetzen ihrer Menstruation. Monat für Monat tobte ein unerbittlicher Kampf zwischen ihrer Seele, die sich vor diesem "klebrigen Ausfluss" ekelte, und ihrem weiblichen Körper, der unter Krämpfen, Erbrechen und ungeheuren Bauchschmerzen immer wieder sein Recht erzwang. Ihren Menstruationskalender, den ihre Mutter voller Stolz gut sichtbar für alle in der Küche aufgehängt hatte, verunstaltete sie eines Tages mit dem Bild eines Grabsteins, das sie aus einer Illustrierten ausgeschnitten hatte. Als ihre Mutter sie dazu drängte, ihren ersten Büstenhalter zu kaufen, liess sie diese Tortur, starr vor Ekel, über sich ergehen.

Die Kollegen, mit denen sie sich bis anhin in Kraft, Ausdauer und Mut gemessen hatte, zogen sich verunsichert oder gar angewidert von ihr zurück. Die Mädchen, mit denen sie sich nun notgedrungen anfreundete, irritierten sie nur. Nein, albernes Kichern und geheimnisvolles Tuscheln waren nicht ihr Ding. Sie wollte stark sein, selbstbewusst und galant, aber niemals sanft und hilflos.

Ihre Verwirrung war total. Sie begann, Süssigkeiten und Pommes Chips in sich hineinzustopfen, wurde zusehends depressiver und zog sich vom Sport, ihrer grossen Leidenschaft, zurück. Nie wieder hat sie seither Volleyball gespielt, nie wieder ein Schwimmbad betreten. Sie hatte ihr Leben verloren und irrte durch ein emotionales und körperliches Niemandsland.

Ihre Eltern begegneten ihr mit dem blanken Unverständnis. Als sie vierzehn Jahre alt war, schenkte ihre Mutter ihr das erste Glas Campari ein, um der Tochter ihre seltsamen Stimmungen auszutreiben. Ihr Vater notierte seinerzeit in sein Tagebuch: "Unsere Tochter scheint zu verfaulen." Dabei hätte gerade er, der Berufsmilitarist mit starken homosexuellen Neigungen, ein besseres Gespür für die Rollenkonfusion und die damit verbundene Not seiner Tochter entwickeln können.

Ursula Beatrix schwieg. Nicht ein einziges Mal in ihrer ganzen Jugendzeit hatte sie eine Romanze, kein heimliches Händchenhalten, keinen verstohlenen Kuss, keine verliebten Blicke - nichts. Niemals hätte sie ihren weiblichen Körper mit seinen "grässlichen Fleischbergen" einem anderen Menschen zugemutet.

Eines Tages ist sie geflohen, hat ihrem Elternhaus den Rücken gekehrt, aber auch ihrem wahren Selbst zu entkommen versucht. Sechseinhalb Jahre lang zog sie trampend und jobbend durch Europa, Nordafrika und den indischen Kontinent. Sie kämpfte ums nackte šberleben, schlug mit der Faust zu, wenn man sie angriff, landete in Kairo und Sri Lanka im Knast, arbeitete als Skilehrerin, Putzfrau, Rausschmeisserin in einer Disco oder Zimmermädchen. Wer mit ihr anzubändeln versuchte, wurde schnöde von ihr zurückgewiesen. In jener Zeit schrieb sie in ihr Tagebuch, dass sie sich als Menschen definiere - und nicht als Frau.

Die Jahre des rastlosen Reisens laugten sie aus. Sie sehnte sich immer mehr nach einem Zuhause, einem geregelten Leben und festen Freunden. In jenem Moment begegnete ihr ein Mann, der sich als Collegeprofessor ausgab, von aristokratischer südindischer Abstammung, elegant in seinen Seidenanzügen und Lackschuhen. Geblendet von seiner tadellosen Aufmachung und seinen faszinierenden Zukunftsvisionen merkte sie nicht, dass sie an einen Hochstapler geraten war, und ging den unmöglichen Kompromiss ein: Ursula Beatrix heiratete den Herrn Jayawardena. Die Ehe war von Anfang an eine Katastrophe. Die paar "läppischen Versuche", miteinander zu schlafen, gerieten zur Farce: "Ich habe mich nur geekelt und hatte nichts als panische Angst, schwanger zu werden." Immerhin habe sie es aber geschafft, sagt die 34jährige heute mit bitterem Spott, einen Mann zu finden, "der nicht schon nach der ersten gemeinsamen Nacht die Flucht ergriffen hätte."

Schliesslich verunglückte ihr Gatte tödlich bei einem Badeunfall. Er hinterliess seiner Witwe einen Berg Schulden, einen Schrank voller Kleider und einen neuen exotischen Namen. Fortan nannte sie sich Jaya Wardena und betont mit leisem Stolz, dass Jaya ein indonesischer Männername sei.

Daraufhin verschlug das Schicksal sie nach Bern. Sie stürzte sich in die Arbeit. Der Stress betäubte ihre Gefühle, ihre Wünsche und Sehnsüchte, endlich sich selber, endlich Mann sein zu dürfen. Doch eines Tages hatte sie ein Erlebnis, das ihre gewaltsam aufrechterhaltenen Mauern zum Einsturz brachte. Damals arbeitete sie als Kassiererin in einer Migros-Filiale. Zwischen Karotten und Milchbeuteln lagen immer wieder Aktions-Packungen mit "tannengrünen Herrenunterhosen" auf dem Förderband. Tief beeindruckt fragte sie ihren Chef, ob er ihr drei Pakete ihrer Grösse reservieren könne. Als er ihr lachend und nichtsahnend die rosa und lila Damenslips mit den Blümchen empfahl, war sie so verzeifelt wie noch selten in ihrem Leben: "Mit einem Schlag wurde mir bewusst, wie sehr ich mich bisher verleugnet hatte und wie stark ich mich eigentlich danach sehnte, das Lügengebäude der aufgesetzten Weiblichkeit endlich einzureissen."

Zum erstenmal konnte sie den Gedanken zulassen, eine männliche Seele in einem weiblichen Körper zu haben. Ihre Intuition, ihre Gefühle, ihr Geschmack, ihr Auftreten waren eindeutig männlich. Zum erstenmal konnte sie sich auch eingestehen, wie gross ihr Neid auf die Männer wirklich ist, auf ihre Freiheiten, ihr Selbstbewusstsein, auf ihre straffen Körper mit den starken Oberarmen, auf ihren Gang mit den grossen raumgreifenden Schritten, auf die faszinierenden Möglichkeiten, in der Badeanstalt mit nacktem Oberkörper Volleyball zu spielen oder in perfekter Haltung mit "zusammengepressten Füdlibacken" einen Salto vom Sprungturm hinzulegen. Sie bewunderte Männer, und auch sie wollte schwarze Anzüge und elegante Blazer tragen. Ja, sie entdeckte auch ihre Schwäche für den Gigolo, den Italiener, der am Strand wie ein Pfau herumstolziert und seinen Edelbody präsentiert. Verstohlen stellte sie sich vor den Spiegel ihres Badezimmers, rieb sich die Wangen - welch heimlicher Triumph - mit Aramis for men ein und phantasierte sich "schwarze Bartstoppeln".

Im Frühjahr 1994 wandte sie sich erstmals hilfesuchend an das Berner Frauenspital. Sie konnte nur in vagen Begriffen formulieren, worunter sie litt. Sie vermute, sagte sie, dass ihre Seele im falschen Körper stecke. Hilfe und Rat hatte sie sich erhofft; eine endlose Odyssee schloss sich an. Monatelange Wartezeiten wechselten sich ab mit plötzlichen Absagen der Ärzte; sie fühlte sich hingehalten, vertröstet, enttäuscht und je länger je mehr auch entnervt.

Das erste Gespräch mit dem ihr zugewiesenen Psychologen empfand sie als Qual: "Er ist mir in die Seele gesprungen." Seine Fragen kreisten ausschliesslich um das Sexuelle, um Penetration, Geschlechtsteile, sexuelle Präferenzen und Phantasien und stiessen sie ab. Sie betonte immer wieder, dass sie ein Identitätsproblem habe und kein sexuelles.

Jaya Wardena fühlte sich unverstanden. Ihre Fragen nach allfälligen Operationen und deren Folgen, nach Ansprechpersonen und Fachliteratur blieben unbeantwortet. Laut Ansicht des Experten sei bei ihr keine Transsexualität zu diagnostizieren, angeblich ihrer zu femininen Kleidung und ihrer langen Haare wegen. Dass genau diese Aufmachung ihrem Selbstschutz diente, vermochte den Fachmann nicht zu überzeugen. In der Folge versuchte sie nun gewaltsam, den seit mehr als dreissig Jahren unterdrückten Mann in sich zu befreien, erschien zum nächsten Termin mit kurzen Haaren, Hosen und eleganten Herren-Slippers - und stürzte psychisch ab.

Sie geriet in eine schwere Krise. Von Alpträumen und Panikattacken gequält weinte sie oft nächtelang. Sie begann zu trinken, verlor ihre Stelle und begann zusehends zu verwahrlosen. Sie erlitt mehrere körperliche und seelische Zusammenbrüche, landete in der Psychiatrischen Klinik, rappelte sich wieder auf, unterzog sich einem Alkohol-Entzug. "Mit schamrotem Gesicht" besorgte sie sich in Bibliotheken und Buchläden Fachbücher und setzte ihre ganze verzweifelte Hoffnung auf den nächsten Arzt- beziehungsweise Psychologentermin. Schickte man sie wieder unverrichteter Dinge nach Hause, brach sie erneut zusammen.

Zurückgezogen in ihrer Einzimmer-Wohnung, ihrem "Refugium", wie sie es nennt, wagt sie dennoch gedanklich und gefühlsmässig immer häufiger den Sprung über die Geschlechtergrenze. In Momenten der Zuversicht entwirft sie bereits das Bild eines kräftigen, jungen Mannes mit einem bodybuilding-gestählten Körper, einem "Brustpelz", vielleicht einem Schnauz - und mit tannengrünen Herrenunterhosen. Dabei lässt sie sich von der Musik und den Video-Clips von Freddie Mercury inspirieren, jenes von ihr heissgeliebten Seiltänzers auf dem Grat zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit.

Seit sie an der Psychiatrischen Universitätspoliklinik in Zürich in Behandlung ist, hat sie auch neue Hoffnung geschöpft. Sie fühlt sich zum erstenmal ernstgenommen und ist bereit, die ihr verordnete Psychotherapie zu machen, dank der sie das für eine Geschlechtsumwandlung nötige Selbstvertrauen bekommen soll.

Jaya Wardena will endlich Georges Madison werden. Denn ihren neuen Namen hat sie bereits festgelegt. Was ihr noch fehlt, sind die Hormonbehandlung und die verschiedenen Operationen wie Brustamputation, Gebärmutter- und Eierstockentfernung, das Zunähen ihrer Vagina und der mögliche, aber äusserst delikate Aufbau einer Penis-Plastik.

Sie ahnt, dass ihr noch verwirrende Zeiten voller Peinlichkeiten und Verunsicherungen, voller Missverständnisse und Rückschläge bevorstehen werden. Schon heute fragt sie sich manchmal, wann denn der richtige Zeitpunkt gekommen sein wird, um erstmals auf ein öffentliches Herren-WC zu gehen. Oder wie sie beziehungsweise er wohl auf die Fragen eines Kollegen antworten wird, der sich nach ihrem/seinem Militärdienst erkundigen sollte. Doch all das sind Kleinigkeiten, denn Jaya Wardena weiss, dass sie gestärkt, selbstbewusst und im Einklang mit ihrem neuen Körper leben wird. "Georges Madison", sagt sie, "wartet schon sehnlichst auf seine Geburt."


Transsexualität ist eine "konstitutionelle Besonderheit"

Transsexualität ist - gemäss dem Zürcher Psychiater Jürg Willi - keine Krankheit, sondern eine "konstitutionelle Besonderheit". Jaya Wardena stellt den seltenen Fall dar, dass sich eine Frau in einen Mann verwandeln lassen möchte. Viermal häufiger wünschen sich Männer, in die Haut einer Frau zu schlüpfen.

Über die Ursachen der Transsexualität ist wenig bekannt. Bisher konnte weder in der Biologie der Betroffenen noch in ihrer Psyche oder ihrem familiären Umfeld der Schlüssel zum Verständnis der Störung gefunden werden. Die häufig geäusserte Annahme, dass sich die Eltern der Transsexuellen eigentlich ein Kind des anderen Geschlechts gewünscht und damit die Grundlage für den Wunsch nach einem Geschlechterwechsel gelegt hätten, hält Willi nicht für stichhaltig: "In dem Fall müsste ein Viertel aller Menschen transsexuell sein."

Der vor allem in jüngster Zeit diskutierten These, dass Vergewaltigungen oder sexuelle Übergriffe durch Personen des eigenen Geschlechts zum Wunsch nach einem Geschlechterwechsel führen könnten, steht Willi ebenso skeptisch gegenüber: "Ein solches Trauma könnte höchstens dann die Ursache der Transsexualität sein, wenn es im ersten Lebensjahr passiert ist, und das ist mehr als selten."

Geschlechtsumwandlungen sind in der Schweiz gesetzlich nicht geregelt. Es existiert einzig ein Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts von 1988, das die Bedingungen festlegt, unter denen der hormonelle und operative Eingriff kassenpflichtig ist. Demnach müssen die Anwärter auf eine Operation mindestens 25 Jahre alt sein und eine eingehende psychiatrische Beobachtungsperiode von mehreren Monaten Dauer hinter sich haben. Nach der mindestens einjährigen Hormonbehandlung, während welcher sich die Betroffenen und ihre soziale Umwelt auf die geänderte Geschlechtsrolle umstellen, können die geschlechtsanpassenden Operationen durchgeführt werden.

Ausschlaggebend, auch im Hinblick auf die künftige Personenstandsänderung, ist, dass jetzt weibliche Transsexuelle nach der Geschlechtsumwandlung keine Kinder mehr zeugen und jetzt männliche keine Kinder mehr gebären können. Folglich stehen die Entfernung der Gebärmutter und der Hoden an erster Stelle im Pflichtenheft der Chirurgen.

Der Aufbau eines weiblichen Genitals ist einfacher und erlaubt den künftigen Frauen durchaus auch sexuelle Erregung und Erfüllung. Die Penis-Plastik ist - gemäss Willi - "eine hochproblematische Sache." Eigentliche Erektionen seien damit nicht erreichbar. Sexuelle Beziehungen stünden aber bei Transsexuellen auch nicht im Vordergrund, sondern eher die geschlechtliche Identität. Das Gefühl, ein Mann zu sein, könne durch die Penis-Plastik bestärkt werden, nicht zuletzt dadurch, dass damit stehend uriniert werden könne.

Willi warnt davor, zu grosse Hoffnungen in die Operationen zu setzen, denn "eine vollständige Umwandlung" ist nicht machbar, sondern nur "eine Annäherung an das andere Geschlecht."

Wer in der Deutschschweiz mit dem Problem der Transsexualität konfrontiert ist, sucht in der Regel die Psychiatrische Poliklinik des Universitätsspitals Zürich auf. Jürg Willi, Direktor dieser Poliklinik und zuständiger Experte, hat pro Jahr mit rund dreissig Fällen zu tun. Allfällige Geschlechtsumwandlungen werden am Zürcher Universitätsspital durchgeführt.

Facts, 27. Juni 1996

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